Man muss ja ab und zu auch Glück haben: Ich bedanke mich im Voraus bei der Autozeitung für den Gewinn der Teilnahme am Testtag von Skoda Auto Deutschland zum neuen Skoda Superb in Montabaur auf dem Gelände eines alten Nato-Munitionslagers. Kein pompöser Auftritt, das b05- art and design center Montabaur liegt relativ abgelegen in einem Waldstück und bietet mit seinen kleinen Lagerhallen einen gleichzeitig historischen wie modernen Schauplatz für eine Präsentation.
Nach dem Einfinden in einer der Lounge-mäßig umgerüsteten Hallen gab es eine kurze, prägnante Präsentation des neuen Superb: Motorvarianten, technische Daten und Maße, Verbesserungen gegenüber des Vormodells und Positionierung im Markt wurden kurz erläutert: Man möchte an die Türen der gehobenen Mittelklasse anklopfen, E-Klasse, 5er BMW, Audi A6, Volvo S80 sind einige der Konkurrenten, die hier genannt wurden. Der Clou: Preislich siedelt sich der Superb weit darunter an. Mit einer Preisspanne von knapp 23000 bis rund 38500 Euro liebäugelt der neue Superb mit einem Kundenkreis, der sich sonst für Passat und Co. Entscheiden könnte. Dabei gibt es einige tschechische technische Finessen: Die neue Kofferraumkonstruktionen mit dem Titel „Twindoor“ wurde bisher in keiner Vorstellung des Autos ausgelassen und wurde dem Publikum auch hier vorgeführt: Man kann sowohl die Kofferraumklappe alleine öffnen, dieses klappt neuerdings auch mit einem Knopfdruck auf der Funkfernbedienung des Autos. Da dieses aber nicht über eine Hydraulik funktioniert, sondern auf Druck basiert, muss man beim schließen des Deckels etwas mehr Kraft aufwenden, als bei konventionellen Kofferräumen. Die Konkurrenz macht das Ganze aber ähnlich: Beim aktuellen 5er BMW (E60) wird die gleiche Technik benutzt. Neuartig für eine Limousine in dieser Größenkategorie ist hingegen die Option, die Heckscheibe ebenfalls mit hochzuklappen und so einen größeren Spielraum beim Beladen des Fahrzeugs zu haben. Auch wenn die Möglichkeiten des Kofferraumkonzepts im Alltag sicherlich praktisch sind, ist der ganze Wirbel um diese patentierte Innovation aus persönlicher Sicht nicht gerechtfertigt. Schließlich bietet der Octavia mit der generell hochklappbaren Heckscheibe ähnliche Beladungsmöglichkeiten und ähnlichen Stauraum. Hier stehen sich 560 Liter Kofferraumvolumen beim Octavia II und 565 Liter Volumen beim neuen Superb gegenüber, lediglich das Öffnen der Heckklappe per Schlüssel ist ein Feature, das dem tschechischen Flaggschiff wirklich hoch angerechnet werden kann. Apropos Schlüssel: Verwundernswert ist, dass Skoda immer noch auf mechanische Schlüssel und nicht auf den elektronischen VW-Schlüssel, der bereits seit langem Passats öffnet, setzt. Zumindest die Superb-Testmodelle hatten allesamt den Schlüssel, der auch beim Octavia eingesetzt wird.
Wahre Größe zeigt der neue Superb erst, wenn man einsteigt. Das Vorgängermodell war bereits ein Raumwunder und wird natürlich vom neuen Superb überboten. In Sachen Kniefreiheit schlägt der Neue sogar den 7er BMW und die S-Klasse von Mercedes im wahrsten Sinne des Wortes um Längen. Das Raumgefühl ist sowohl vorne als auch hinten in allen Belangen mehr als großartig. Auf Fahrer- und Beifahrersitz können zwei-Meter-Menschen ohne Probleme Platz nehmen ohne sich den Kopf zu stoßen oder die Beine zu krümmen.
Alle Probe gefahrenen Modelle waren mit dem Elegance-Paket und den technischen Neuerungen wie dem Parkassistenten und dem Festplatten-TV-Navigationssystem Columbus im Prinzip vollaugestattet.
Die Verarbeitungs- und Materialanmutung im Innenraum wurden durchweg positiv aufgenommen. Geringe Spaltmaße, bequeme – elektrisch verstellbare – Sitze, keine Auffälligkeiten sind inzwischen Skoda-typisch, die verwendeten Materialien ähneln denen, die im aktuellen Octavia zu finden sind – vielleicht wirken Sie einen Tick hochwertiger und massiver. Das Cockpit ist übersichtlich, das Maxi-Dot-Display findet im Zusammenspiel mit dem Columbus-Navi seine Bestimmung und die vielen Funktionen des Bordcomputers lassen sich mit den Rädchen am Vier-Speichen-Multifunktionslenkrad besser bedienen denn je.
Das neue Touchscreen-Radio ist auf dem Papier zwar ein solides Gerät, der zehnkanalverstärkte Sound über zehn Lautsprecher des Sound-Systems ist umwerfend. Die Bedienung per Touchscreen während der Fahrt zeigt sich aber umständlicher als erwartet. Durch die virtuellen Knöpfe, die ihre Positionen in den Menüs wechseln, lenkt das Touchscreen-Radio während der Fahrt mehr ab, als konventionelle Tastenradios. Eventuell wäre eine Bedienung ähnlich BMWs iDrive oder dem Audi-Multi-Media-Interface aus der VW-Zubehörpalette hier sinniger gewesen. Wenn eine Navigationsroute eingerichtet war, funktionierte die computergestützte Routenfindung immer tadellos.
Die demonstrativ einen Superb-Schriftzug tragenden Scheinwerfer birgen eine weitere technische Neuerung: Das Bi-Xenon-Licht inklusive adaptivem Kurvenlicht und einer dynamischen Leuchtweitenregulierung, die sich Geschwindigkeit und Wetterverhältnissen anpasst. So wird bei Regen und Nebel stärker abgeblendet, im Stadtverkehr werden Bürgersteige mit ausgeleuchtet, im Überlandmodus wird der Gegenverkehr nicht geblendet und bei der Autobahnfahrt leuchten die Xenon-Brenner die Straße enorm weit nach vorne aus.
Neben all den technischen Finessen zeigt Skoda wie immer Liebe zum Detail: Ob Parkscheinhalter an der Windschutzscheibe, Schirmfach mit Wasserablauf, Einkaufstütenhaken im Kofferraum oder Belüftungsschlitze an der B-Säule machen aus dem Superb das, was einen Skoda ausmacht.
Hinzu kommt natürlich das außerordentlich gelungene Design. Die Skepsis, die nach dem Betrachten der ersten Bilder auftauchte, war bereits nach dem ersten Begutachten des Fahrzeugs verflogen. Skoda-typischer Lamellengrill, Chrom an Grill, Heck und an den Fensterscheiben, große Räder, eine typische C-Form bei den Heckscheinwerfern. Auch an alle Vorab-Kritiker des Heckes, das das Landeskennzeichen weit unten an der Stoßstange trägt, kann Entwarnung ausgesprochen werden: In Natura sieht das Hinteteil des Superbs tatsächlich gut aus, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig.
Genug Geplänkel: Wie fährt sich der neue Skoda-Superb?
Mit hohen Erwartungen ging es nach einiger Spielerei mit der Twindoor also endlich an das Ausprobieren des neuen Primus der Skoda-Fahrzeugpalette.
Erste Motorvariante: Der „alte“ 2.0 TDI-PD-Diesel inklusive Direktschaltgetriebe. Wenn man lange keine Automatikfahrzeuge mehr gefahren ist, fällt einem erst auf, wie bequem Stop-and-Go-Verkehr doch sein kann – genau so wie die Tatsache, dass man die vorhandene Leistung trotz des Sportmodus nicht so passgenau abfragen kann, wie mit einem manuellen Getriebe. Das aus dem Octavia und Vorgänger-Superb bekannte 140-PS-Aggregat leistet aber auch im neuen Superb einen guten, sparsamen Vortrieb, seine alte – aber bewährte Konstruktion – zeigt sich aber in Sachen Laufruhe negativ: Trotz der enorm guten Geräuschdämmung des neuen Superbs hört man den Motor im Stand doch relativ laut „nageln“, bei höheren Geschwindigkeiten nimmt die Lautstärke des Motors enorm zu. Die Leistungsentfaltung ist tadellos, der 2-Liter-Diesel liefert in jedem Drehzahlbereich ab 1500 Touren ausreichend Leistung, laut Angaben soll bei 205 Kilometer die Stunde Schluss sein, die 100 steht nach 10,2 Sekunden auf dem Tacho. Der angegebene Verbrauch liegt bei 6,8 Litern, ohne DSG Verbraucht der Motor laut Angaben mit 5,9 Litern zirka einen weniger.
Nach dem eher klassischen VW-Triebwerk kam dann das Sahnehäubchen aus der Skoda-Motoren-Palette unter die Fittiche: Der 3,6 FSI V6 4×4 DSG zaubert dem Fahrer schon beim Hören der Motorenbezeichnung ein Lächeln inklusive dem dazu gehörigen Respekt auf die Lippen. Die technischen Daten gehen runter wie Öl: 3,6 Liter Hubraum, permanenter Allradantrieb, 6-Gang-Doppelkupplungs-Direktschaltgetriebe, 260 PS, in 6,5 Sekunden auf 100, 350 Newtonmeter Drehmoment bei Drehzahlen von 2500-5000 Touren – klingt nach Spaß! Und genau so ists: Kurz warm gefahren, die erste E-Klasse auf der Landstraße überholt, ab auf die Autobahn: Der Durchzug bis 120 ist mit Sicherheit eine Wohltat für die Nackenmuskulatur, die ihr Fitnessprogramm mit rund einer Stunde-Superb-3,6-FSI für diesen Tag voll absolviert hatte. Der weitere Vortrieb ist aber nicht so enorm wie erwartet: Natürlich zieht der 3,6-FSI ohne Probleme bis 250 durch, aber bevor dann bei knapp unter 200 in den sechsten Gang geschaltet wird, hat man von 150 bis 195 eher ein „ich dachte, 260 PS fühlen sich krasser an“-Gefühl. Natürlich ist der neue Superb in dieser Motorisierung keinesfalls langsam – im Gegenteil: Man gehört zu den Schnellsten auf deutschen Autobahnen und Landstraßen, die Lichthupe wird fest in die Hand-Augen-Motorik mit eingebaut und weder A8 noch 7er-BMW im Rückspiegel können den Superb-Fahrer von der linken Spur drängeln – schließlich riegeln die Kollegen aus Ingolstadt respektive München ebenfalls bei 250 ab. Das der Durchschnittsverbrauch während der Testfahrt zwischen 15 und 17 Litern betragen hat, lag sicherlich an der „Testfahrweise“ – aber wer so ein Auto fährt, fährt es vermutlich zügig. Zu erwähnen ist sicherlich noch, dass das Heck des 3,6 FSI mit seinen zwei Doppelendrohren beim geneigten Beobachter einen enorm sportlichen, wenn nicht sogar bösen Eindruck hinterlässt.
Nach der Mittagspause ging es weiter: Das erste Sechs-Gang-Schaltgetriebe wartete auf seine Rundfahrt. Dem in diesem Superb verbauten 1,8 TSI Motor mit 160 PS wurde zumindest von meiner Seite aus eine Menge Skepsis entgegengebracht: 160 Pferde aus einem Hubraum von 1,8 Litern? Ist doch klar, dass hier alles über die Drehzahl geht! Von wegen… Das maximale Drehmoment von 250 Newtonmeter macht sich schnell bemerkbar und lässt den Superb-Treiber auch im Stadtverkehr den vierten Gang einlegen. Das Schaltgetriebe schaltet sich mit kurzen Schaltwegen absolute präzise und dazu butterweich – Kupplung und Schaltgefühl erinnern an den aktuellen Audi A6, die Fahrleistungen des „vernünftigen“ Benziners gehen in Ordnung. Laut Angaben in 8,6 Sekunden auf 100, 220 Spitze. Der kombinierte Verbrauch von 7,6 Litern lässt so manchen Selbstzünder alt aussehen, die neue Diesel-Generation aus dem Hause VW liefert aber bessere Ergebnisse.
Der zweite „vernünftigere“ Motor ist der neue TDI mit Common-Rail-Technik, der zum ersten Mal in einem Skoda Platz nimmt. Das Zwei-Liter-Triebwerk ersetzt den alten 140 PS TDI-Pumpe-Düse-Motor und legt 30 weitere Pferde in die Waagschale. Abgesehen von der Farbe des getesteten Superbs – für das „Satin Silber Metallic“, was an diesem tristen Tag eher nach Babyblau aussah, sollte es zumindest beim Superb einen ordentlichen Rabatt geben – aber bei Farben scheiden sich ja grundsätzlich die Geister. Zum Fahrgefühl: Der „neue“ Zwei-Liter-Diesel aus dem Hause VW ist der persönliche Favorit des Tages. Grandiose Leistungsentfaltung, wahnsinnig ruhige Laufkultur, im Vergleich zu dem nagelnden Pumpe-Düse-Modell ein fast unhörbarer Motor. Die 170 Pferde treiben den Superb enorm fix an, das Getriebe schaltet sich ebenso gut wie das des Benziners und der Verbrauch liegt bei dem Schaltmodell bei angegebenen rund sechs Litern – was will man mehr, als in 8,8 Sekunden auf 100 sein und mit 220 entspannt über die Autobahn gleiten? Für mich ist der neue TDI-CR definitiv ein Prachtstück in der Motorenpalette.
Fazit: Mit dem neuen Superb gelingt Skoda ein riesiger Wurf. Es gibt kein vergleichbares Auto, welches gleichermaßen Kunden aus der unteren Mittelklasse, der oberen Mittelklasse und auf Grund des enormen Platzangebotes sogar der Oberklasse anziehen könnte. Passat und 7er BMW sind für den Superb gleichermaßen Konkurrenz beziehungsweise der Superb für diese. Der eine im Preis, der andere in der Ausstattung . Schließlich bekommt man in der oberen Ausstattungslinie „Elegance“ schon fast alles, was das Autofahrer-Herz begehrt, egal ob Bi-Xenon-Licht oder eine Lederausstattung – Qualität und Verarbeitung stimmen ebenfalls. Das Design ist natürlich nur subjektiv bewertbar, aber in Natura macht es definitiv einen noch besseren Eindruck, als auf allen im Vorfeld gezeigten Bildern. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob Skodas neues Flaggschiff sich auch mit den Premium-Herstellern messen lassen kann – wir werden sehen. Schade ist, dass die meisten „großen“ Konkurrenten größere Motoren anbieten, Skoda aber nicht. Hier fehlt definitiv der ein oder andere Sechs- oder Achtzylinder, sonst fehlt es dem neuen Superb aber an fast nichts.


Nochmal ein großes Dankeschön an alle Kommentatoren, auch wenn die Kommentare jetzt alle verschwunden sind – warum weiß ich nicht.
Da ich große Probleme mit Spambots habe, kann es sein das die Kommentare aus irgendeinem Grund durch den Spamfilter gelöscht werden.
Ansonsten kann ich mir dieses Phänomen leider nicht erklären.
Viele Grüße, Ansgar
Ich fahre den Superb II jetzt über ein Jahr,(ca. 20.000 km)mein Fazit: es ist ein Genußdiesen Wagen zu fahren, seine Größe und Raumangebot zu nutzen. Souverän auf Landstraßen und Autobahnen, seine Kraft, sein Beschleunig- ungspotential- selbst im 6. Gang!
Der Eigenname steht für diesen Wagen: Superb!